"Jugendamt der Zukunft"

"Mut zur Veränderung?!"

Copyright: © EvH Bochum / Carmen Tomlik
Copyright: © EvH Bochum / Carmen Tomlik
Copyright: © EvH Bochum / Carmen Tomlik

Bochum, 16.06.2026 – Abschlussfachtagung der Vertiefungsspur ASD an der EvH  Bochum.

Wie muss sich ein Jugendamt weiterentwickeln, um auch künftig verlässlich beraten, unterstützen und schützen zu können? Mit dieser Frage beschäftigten sich Studierende, Fach- und Leitungskräfte aus Jugendämtern sowie Vertreter*innen aus Politik und Wissenschaft auf der Abschlussfachtagung des Projekts „Vertiefungsspur ASD“ an der EvH Bochum.

Unter dem Titel „Jugendamt der Zukunft: Mut zur Veränderung?“ richtete die Tagung den Blick auf aktuelle Herausforderungen, notwendige Rahmenbedingungen und konkrete Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung der Jugendämter. Im Mittelpunkt stand insbesondere der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) als Herzstück der Kinder- und Jugendhilfe. Seine Fachkräfte beraten und unterstützen Kinder, Jugendliche und Familien, gestalten Hilfen und übernehmen Verantwortung im Kinderschutz. Zugleich bewegen sie sich in einem anspruchsvollen Arbeitsfeld, das von steigenden fachlichen Anforderungen, komplexen Lebenslagen und schwierigen strukturellen Rahmenbedingungen geprägt ist.

Bereits am Vorabend kamen Studierende der beteiligten Hochschulen mit dem Projektteam zu einem gemeinsamen Austausch zusammen. Die Begegnung bot Gelegenheit, über bisherige Erfahrungen in der Vertiefungsspur, Einblicke in die Praxis und mögliche berufliche Perspektiven im ASD zu sprechen.

Eröffnet wurde die Fachtagung durch Prof. Dr. Dr. Sigrid Graumann, Rektorin der Evangelischen Hochschule Bochum, und Lorenz Bahr, Staatssekretär im Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen. In ihren Beiträgen ordneten sie die Bedeutung der Jugendämter und einer frühzeitigen, fundierten Qualifizierung zukünftiger Fachkräfte ein. Durch die Fachtagung führte Marleen Steinbrich, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Vertiefungsspur ASD“ und Koordinatorin der Modellregion Ruhrgebiet.

Prof. Dr. Dirk Nüsken, Projektleitung der Modellregion Ruhrgebiet, und Christian Papies, Jugendamtsleitung der Stadt Bochum, eröffneten den inhaltlichen Teil der Tagung mit einem gemeinsamen Impuls. Aus wissenschaftlicher und kommunaler Perspektive zeichneten sie nach, unter welchen gesellschaftlichen, rechtlichen und organisationalen Bedingungen Jugendämter heute arbeiten.

Veränderte Lebenswelten, Digitalisierung, soziale Ungleichheit, Armut und globale Krisen prägen den Alltag junger Menschen und ihrer Familien. Zugleich stellen wachsende Aufgaben sowie die Gewinnung und Bindung von Fachkräften die Jugendämter vor große Herausforderungen. Prof. Dr. Dirk Nüsken und Christian Papies verdeutlichten das daraus entstehende Spannungsverhältnis: Jugendämter sollen zunehmend komplexe Aufgaben fachlich zuverlässig erfüllen, während finanzielle und personelle Ressourcen begrenzt und politische Prioritäten umkämpft sind.

Die Frage nach dem Jugendamt der Zukunft ist deshalb nicht allein eine Frage neuer Methoden. Sie betrifft ebenso Organisationsentwicklung, Leitung, Personalentwicklung, Kooperation und kommunale Steuerung. Im Zentrum steht letztlich die Frage, was ein gutes Jugendamt auszeichnet – und welche Bedingungen erforderlich sind, damit es seinen Auftrag auch künftig erfüllen kann.

In acht Workshops setzten sich die Teilnehmenden anschließend in zwei Runden mit unterschiedlichen Fragen zur Zukunft der Jugendämter auseinander. Die Formate verbanden Praxiserfahrungen mit aktuellen fachlichen Debatten und boten Raum für Austausch und gemeinsame Reflexion. Dabei ging es nicht allein um bestehende Schwierigkeiten, sondern ebenso um konkrete Veränderungsmöglichkeiten.

Gerade die Zusammensetzung der Teilnehmenden ermöglichte es, unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen. Studierende konnten ihre Fragen und Erwartungen an das Arbeitsfeld einbringen, während Fach- und Leitungskräfte von ihren Erfahrungen aus der Praxis berichteten. Vertreter*innen aus Wissenschaft und Politik ergänzten den Austausch um fachliche und strukturelle Einordnungen.

Die im fachlichen Impuls und in den Workshops aufgeworfenen Fragen wurden zum Abschluss in einer Podiumsdiskussion weitergeführt. Dabei kamen unterschiedliche Ebenen und Perspektiven zusammen: Uwe Schulz, Leiter des Referats Ganztagsbildung, Kulturelle Bildung, Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe und Jugendbeteiligung im nordrhein-westfälischen Familienministerium, Anke Berkemeyer aus dem Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft ASD, Thilo Waasem vom Städte- und Gemeindebund NRW, Prof. Dr. Judith Haase von der katho Münster und dem ISA e. V., Carsten Bluhm, Fachbereichsleiter des Jugendamtes Essen, sowie Josefine von Germeten, Studentin der Sozialen Arbeit an der EvH Bochum und Teilnehmerin der Vertiefungsspur ASD.

Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion standen drei miteinander verbundene Fragen: Wie kann der ASD für Berufseinsteiger*innen attraktiv sein und Fachkräfte langfristig halten? Welche organisationalen, kommunalen und landespolitischen Bedingungen sichern professionelles Handeln auch unter hoher Belastung? Und wie können aus zeitlich begrenzten Qualifizierungsprojekten nachhaltige Kooperationsstrukturen zwischen Hochschulen, Jugendämtern und dem Land entstehen?

Die Abschlussfachtagung machte zugleich deutlich, dass die Qualifizierung zukünftiger Fachkräfte nur ein Teil der notwendigen Entwicklung ist. Ein Jugendamt der Zukunft braucht gut vorbereitete und engagierte Mitarbeitende. Ebenso entscheidend sind jedoch Arbeitsbedingungen und Organisationsstrukturen, unter denen sie ihre fachlichen Kompetenzen dauerhaft einsetzen und weiterentwickeln können. Zukunftsfähigkeit entsteht daher nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Ebenen und Akteur*innen.

Die Fachtagung bildete zugleich den Abschluss der ersten Projektphase der „Vertiefungsspur ASD“. Das Projekt ermöglicht Bachelorstudierenden der Sozialen Arbeit, sich bereits während ihres Studiums gezielt auf das Arbeitsfeld des ASD vorzubereiten. Mehr als 360 Studierende an der EvH Bochum, der FH Münster und der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen mit ihren Standorten Aachen und Münster haben das Angebot bislang genutzt. Erste Absolvent*innen sind inzwischen in Jugendämtern der beteiligten Regionen tätig. Ihre Berufswege verdeutlichen, wie der Übergang vom Studium in die Praxis durch eine frühzeitige fachliche Orientierung und eine enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Jugendämtern unterstützt werden kann.

Gefördert wird es durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.

Copyright: © EvH Bochum / Carmen Tomlik
Copyright: © EvH Bochum / Carmen Tomlik
Copyright: © EvH Bochum / Carmen Tomlik

Wie sieht Dein "Jugendamt der Zukunft" aus?

Im Gespräch mit Josefine von Germeten (Studentin der EvH Bochum und Teilnehmerin der Vertiefungsspur ASD) und Christian Papies (Jugendamtsleitung der Stadt Bochum)

Kontaktpersonen

Wissenschaftliche Mitarbeitende an den Projektstandorten

Projektregion Ruhrgebiet

Marleen Steinbrich
wissenschaftliche Mitarbeiterin

Tel: +49 234 36901161
Mail: steinbrich@evh-bochum.de

Projektregion Münster

Lino Tinnefeld
wissenschaftlicher Mitarbeiter

Tel: +49 1520 4040586
Mail: l.tinnefeld@fh-muenster.de

Projektregion Aachen

Nadine Faber-Strauch
wissenschaftliche Mitarbeiterin

Tel: +49 241 60003 8095
Mail: n.faber-strauch@katho-nrw.de